Setter Ausbildung

Am 29. April und am 02. Mai war Martin Rütter, der bekannte Tierpsychologe und Buchautor aus der Serie "Eine Couch für alle Felle" zu Gast beim VDS e.V. in Bremen.
Herr Rütter betreibt in Erftstadt bei Köln sein "Zentrum für Menschen mit Hund", in dem Menschen und Hunde nach der von ihm entwickelten Trainingsmethode D.O.G.S. (Dogs orientated guiding system) trainiert werden. Herr Rütter hat für uns zwei Leinenführigkeitsseminare gegeben und einen Themenabend zum Thema "Lernverhalten" veranstaltet!

Am 29.4 war es schließlich soweit, für viele hatte das lange Warten endlich ein Ende! Seit November vergangenen Jahres warteten viele darauf, in die Geheimnisse Ihres Hundes eingeweiht zu werden und von Martin Rütter einige persönliche Tipps zu erhaschen.

Um 14 Uhr sollte es an diesem Freitag mit dem ersten Leinenführigkeitsseminar auf dem Hundeplatz des VDS e.V. losgehen. Zuvor gab es noch ein Presse-Interview von Martin Rütter für den Weser-Kurier und dann sollte es sich vier Stunden lang rund um den Hund drehen.

Da an diesem ersten Termin die aktiven Plätze vornehmlich für die Setter vorgesehen waren, hatten wir 5 Setter-Gespanne am Start: Barnaby und Petra, Picaro und Michaela, Merlin und Jan, Gentle und Claudia sowie Murphy und Renate gingen in die Offensive und wollten den nackten Tatsachen ins Auge sehen. Des Weiteren waren noch zwei Mischlinge und ein Münsterländer dabei.

Das Teilnehmerfeld setze sich an beiden Tagen jedoch nicht nur aus Bremern zusammen, auch aus Hannover, Osnabrück oder Celle reisten die Leute an, um an dem Seminar teilzunehmen. So waren es am Freitag dann 8 aktive und 10 passive Teilnehmer, die erfahren wollten, warum denn unsere Hunde eigentlich an der Leine ziehen. Die ernüchternde Erkenntnis war, dass wir es unseren Hunden selbst so beigebracht haben!

Herr Rütter schilderte uns mit seiner witzigen und charmanten Art aber trotzdem auf sehr eindringliche und sachkundige Weise, wie unsere Hunde "denken" und was sie von dem halten, wie wir mit ihnen umgehen.
Die meisten Probleme zwischen Mensch und Hund basieren auf einer fehlerhaften oder gar fehlenden Kommunikation und Körpersprache unsererseits, die oftmals zu Missverständnissen führt.
Unsere Hunde kommunizieren sehr klar und deutlich mit uns, aber wir sind nicht in der Lage diese Kommunikation zu verstehen oder wir wollen uns nicht die Mühe machen, unsere Hunde zu verstehen.
Der Hund übernimmt also die Führung in einem Mensch-Hund-Gespann, weil er uns für nicht kommunikationsfähig hält oder uns so was von absurd findet, weil wir uns ihm gegenüber so ambivalent verhalten. Er traut es uns schlichtweg nicht zu, die Führung zu übernehmen. Wenn dann der Tag kommt, wo Frauchen oder Herrchen ein Seminar von Herrn Rütter aufsuchen und ihr Verhalten dann aus Hundesicht komplett verändern und versuchen Körpersprache und Kommunikation ihrem Hund gegenüber gezielt einzusetzen, dann wird meist von Seiten des Hundes der große Aufstand geprobt.
Der Hund war es gewohnt unter Umständen jahrelang die Führungsrolle inne zu haben und nun will plötzlich Herrchen oder Frauchen, die der Hund jahrelang als unfähig, hilflos und schutzbedürftig angesehen hat, die Führung übernehmen. Für den Hund bedeutet das den absoluten Super-Gau, er versucht diese Katastrophe zu verhindern indem er mal mehr und mal weniger massiv gegen die Versuche von Herrchen oder Frauchen angeht, die Rudelführung zu übernehmen.

Der Irish Setter Murphy zeigte uns allen sehr deutlich, wie aufdringlich und unverschämt er das Verhalten von Herrn Rütter ihm gegenüber beim Leinentraining fand. Nach nur wenigen Minuten begann der Rüde Martin Rütter zu korrigieren und zeigte ihm gegenüber extremstes Aufreit- und Klammerverhalten, um auszudrücken, wie wenig Achtung er vor ihm hat. Dieses Spiel zog sich über etliche Minuten hin, in dessen Verlauf Murphy immer massiver wurde. Herr Rütter beendete das Spiel durch eine blitzschnelle, für den Hund absolut verständliche Korrektur. Murphy verstand, legte sich neben Herrn Rütter und ließ sich von ihm kraulen.
Murphy hat in diesem Moment das bekommen, was sich alle Hunde wünschen, nämlich vom Rudelführer klar vorgegebene Richtlinien, denn kein Hund will von sich aus freiwillig die Führung im Mensch-Hund-Gespann übernehmen.

Das beeindruckende daran war zusätzlich, dass Herr Rütter genau diese Verhaltensweisen mit den jeweiligen Ausprägungen bei den entsprechenden Hunden vorausgesagt hatte. Ein Rüde ging sogar soweit, dass er seinem Herrchen bis in die Hals- und Nackengegend sprang, um den Menschen zu korrigieren und das für den Hund neue und unverständliche Verhalten abzustellen.

Am 2. Mai starteten wir schon morgens um 10.00 Uhr mit dem Leinenführigkeitsseminar, da ja am Abend noch der Vortrag von Herrn Rütter im Grollander Krug auf dem Programm stand. Dieses zweite Seminar setzte sich aus 9 aktiven und 20 passiven Teilnehmern zusammen, wobei die Setter-Fraktion lediglich von Bärbel und Ihrer Irish-Setter-Hündin Tilly vertreten wurde. Aber Tilly zeigte uns sehr eindringlich, wie stinkesauer ein kleines Settermädchen werden kann, wenn Frauchen plötzlich von gewohnten Strukturen abweicht und meint die Führung übernehmen zu müssen. An dieser Stelle auch ein dickes Lob an Bärbel, die die Anweisungen von Herrn Rütter perfekt umgesetzt hat und auch nach dem vierstündigen Seminar die Trainingsmethoden beibehalten hat. Es ist eine große Freude Euch beiden heute, vier Wochen nach dem Seminar, beim Training zuzusehen und die stetigen Erfolge sowie bei der Leinenführigkeit als auch in Eurer Beziehung zueinander, zu beobachten!

Der Grollander Krug war unser Anlaufziel für den Themenabend am Montag, den 02.05. um 19.00 Uhr. Nach Mehrheitsbeschluss hatten wir uns im Vorfeld für das Thema "Lernverhalten. Wie lernt mein Hund am Besten?" entschieden. 63 gespannte Zuhörer hatten sich im Saal versammelt, um sich ihr Weltbild zum Thema Hund zerstören zu lassen. Herr Rütter machte uns wiederum sehr deutlich, wie viele Dinge, Situationen und Wünsche unserer Hunde wir vollkommen falsch interpretieren. Mit anschaulichen Beispielen und absolut logischen und eigentlich total einfachen Erklärungen, wurden viele Vorurteile, Missverständnisse und Wissenslücken abgebaut.

Wir wurden über lernspezifische Rasseunterschiede, über Lernstrukturen alter und junger Hunde, über den Unterschied zwischen Erziehung und Dressur sowie über optimale Lernvoraussetzungen, Trainingshilfsmittel und Trainingsmethoden aufgeklärt. Es wurden für sämtliche Kategorien von Hunderassen Beschäftigungsmöglichkeiten aufgezeigt, denn die Erziehung eines Hundes geht weit über Sitz, Platz, Bleib usw. hinaus. Ein Hund will und muss seinen anlagebedingten Fähigkeiten entsprechend beschäftigt werden. Für unsere Setter, also die Jagdhunde, schlägt Herr Rütter eindeutig das Apportiertraining und die Fährtenarbeit vor! Als Trainingshilfsmittel kommen für Herrn Rütter lediglich das Halti und die Schleppleine in Frage, alle anderen Hilfsmittel wie Wurfkette, Master Plus, Kläff-Ex, Discscheiben, Klapperdose, Teletakt, Stachelhalsband und Moxonleine dienen laut Rütter ausschließlich dazu, einen Hund zu traumatisieren.

Insgesamt waren es zwei sehr interessante und lehrreiche, aber auch lustige Tage. Martin Rütter gelingt es auf seinen Seminaren immer wieder, mit viel Witz und Ironie die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen, ohne dabei aber den nötigen Ernst der Sache an sich aus den Augen zu verlieren. Das ist ihm auch bei uns in Bremen gelungen und er hat sicher wieder den ein oder anderen dazu veranlasst, noch mal eingehend über ihre Beziehung zu ihrem Hund nachzudenken. Letztendlich konnte jeder einige Tipps und Tricks für sich und seinen Hund mitnehmen und auch viele Fragen unsererseits wurden ausführlich beantwortet.

Das Thema Hundeerziehung befindet sich im Wandel der Zeit, noch nie gab es so viele Hundepsychologen, -flüsterer, -versteher etc. wie es momentan der Fall ist. Das liegt daran, dass der Hund als Sozialpartner immer mehr an Bedeutung gewinnt und die Menschen mehr denn je dazu bereit und gewillt sind, ihrem Hund in irgendeiner Form etwas Gutes zu tun.

Die Trainer im VDS sind bemüht, durch Weiterbildung und Erfahrungsaustausch die Hundeerziehung im VDS so zeitgemäß, individuell und interessant wie möglich zu gestalten, aber letztendlich sollte sie jeden etwas angehen, auch den ganz einfachen Hundehalter.

Janina Behn

(Ausbildungswartin)

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