Lesenswertes

 

Nachfolgend lesen Sie einen Bericht, den uns Frau Christel Fritz, Züchterin und Mitglied unseres Vereins, zur Veröffentlichung in unseren Pressemedien überreicht hat:

Hommage an den alten Hund
Schutzbefohlener, Kumpel, Gefährte

Ich liebe alte Hunde!

Es rührt uns natürlich, wenn so ein kleiner junger mit grenzenlosem Urvertrauen und blanken Augen zu uns aufschaut - erwartungsvoll gespannt, was das Leben Aufregendes zu bieten hat, insbesondere der menschliche Animateur vor ihm!

Aber wie tief rührt so ein Alter, dessen Blick trotz aller Resignation noch etwas Hoffnung aufweist, trotz aller schlimmen Erfahrungen, die schließlich mit diesem entwürdigenden Aufenthalt den Tiefpunkt seines Lebens bilden. Eine stille Würde verbietet ihm das Hochspringen und Betteln am Gitter - die Sehnsucht aber ist immer sichtbar. Mancher könnte seine Einsamkeit mit solch einem Alten beenden und er würde merken, welch ein Geschenk und welch eine Freude ein alter Hund sein kann. Seit Jahren schon meide ich den Gang ins Tierheim wegen dieser alten Augen.
Ich weiß aber, eines Tages .....

Ein alter Hund, in seiner Familie gealtert, ist etwas ganz Besonderes. Wer kennt so gut meine Stimmungen wie er? Vor unseren Hunden brauchen wir uns nicht zu verstellen. Sie kennen uns sozusagen seelisch ungeschminkt und bei einem Tief ist es tröstlich, wenn sich die weiche Schnauze in die Hand bohrt oder der Kopf sanft auf den Schoß gepackt wird. Die manchmal schon etwas verschleierten Augen signalisieren Trost und durch nichts, aber auch gar nichts zerstörbare Ergebenheit und Treue. Und wenn ein Jüngerer dazu kommt? Hat der Mensch nun genug Einfühlungsvermögen, weicht die anfängliche Angst um den Vorzugsplatz im Leben Frauchens, Herrchens oder der Familie, recht schnell und leicht erlebt eine etwas träge und pomadig gewordene Setterlordschaft einen zweiten Frühling. Fast verlegen entschuldigend ob der albernen Toberei mit dem jungen Gemüse zog sich mein alter Engländer in den ersten Tagen mit dem Zuwachs zurück, wenn er sich beobachtet wußte. Später dann spielte er jedoch genauso hingebungsvoll wie meine alte Hündin mit dem Nachwuchs. Als schließlich Welpen unser Rudel erweiterten, entpuppten sich die beiden Alten als schlimme Verwöhner. Die Mama bekam keine Unterstützung bei der Erziehung. Bei längst fälligen Disziplinierungs-maßnahmen floh die Brut unter die sicheren Schlappohren der Alten. Hier war man sicher, die Langmut der grauen Schnauzen kannte keine Grenzen.


Schwer wird es, wenn sich der Blick der geliebten Alten immer mehr verschleiert und der Lebenswille in ihnen schwächer wird und schließlich einer stillen Ergeben-heit ins Unabänderliche weicht. Was ich zum Schluß in den Augen unserer alten Hündin las, schien mir eine Bitte um Freigabe zu sein - es war zum Abschluß gekommen und was wir ihr noch geben konnten war ein Ende auf dem Schoß und im Arm ihres geliebtesten Menschen, der sie mit großgezogen hatte, der an ihr Laufen gelernt hatte, für den sie Frösche gefangen hatte, den Schlitten gezogen und dessen Schlaf sie bewacht hatte. In seinen Armen, an der Seite ihres Settergatten glitt sie ruhig und kampflos hinüber. Der Blick des Rüden hatte von dem Zeitpunkt an eine neue Nuance bekommen. Etwas Jenseitiges war in seinen Blick gekommen, das ihn immer mehr von uns entfernte. Während die anderen nach mehr oder weniger langer Zeit der Trauer ihre Lebensfreude wieder gefunden hatten, schien mit dem Tod der Gefährtin etwas von ihm schon vorausgegangen zu sein. Es war fast vorauszusehen, dass auch er uns bald verlassen würde.

Heute sieht mich wieder ein altes Settergesicht an und vertreibt die sentimentalen Gedanken. Verschmitzt sieht sie mich an und ich sehe unter ihrem Pelz ihr Lieblingsschmusetier, auf das sie sich gelegt hat, um es vor den schonungslosen Übergriffen einer Welpenbande zu schützen.

Ich liebe alte Hunde!

Von Christel Fritz, Ruhwarden
11.08.2001

 

 
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